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Wissenschaft 5 min

Verliebtheit und Anziehung: Was die Wissenschaft wirklich sagt

Onedayte Redactie

Experte bei Onedayte

Verliebtheit und Anziehung: Was die Wissenschaft wirklich sagt

Sich verlieben fühlt sich wie Magie an. Dein Herz macht einen Sprung, deine Gedanken kreisen um diese eine Person, die Welt scheint schöner und intensiver. Es fühlt sich an, als hätte das Schicksal euch zusammengebracht, als gäbe es eine kosmische Kraft, die größer ist als du selbst.

Aber hinter dieser Magie steckt Biologie. Psychologie. Evolution. Und zu verstehen, wie Anziehung tatsächlich funktioniert, hilft dir nicht, die Magie zu zerlegen, sondern bessere Entscheidungen zu treffen. Denn Verliebtsein und Kompatibilität sind zwei verschiedene Dinge. Und sie zu verwechseln ist einer der häufigsten Fehler im Liebesleben.

Infografik: Verliebtheit neurochemie - Onedayte

Die Neurochemie des Verliebtseins

Die Anthropologin Helen Fisher von der Rutgers University hat durch Gehirnscans nachgewiesen, dass Verliebtsein ein spezifisches neurologisches Muster aktiviert. Das ventrale tegmentale Areal (VTA) pumpt Dopamin in das Belohnungssystem, was die Motivation und das Verlangen erzeugt, die das Verliebtsein kennzeichnen. Noradrenalin steigt, was Wachsamkeit und Euphorie bewirkt. Und Serotonin sinkt, was erklärt, warum du obsessiv an die andere Person denkst — vergleichbar mit der Gehirnchemie bei Zwangsstörungen.

Es ist vergleichbar mit einer Sucht, und genau deshalb fühlt es sich so intensiv an. Dein Gehirn hat sich buchstäblich chemisch verändert. Jedes Mal, wenn du die andere Person siehst oder eine Nachricht bekommst, wird das Belohnungssystem aktiviert. Jedes Mal, wenn die andere Person unerreichbar ist, fühlt es sich wie Entzug an. Das erklärt auch, warum das Ende des Verliebtseins physisch schmerzhaft sein kann: Dein Gehirn durchläuft eine Art Entzugserscheinungen.

Wichtig: Dieser neurochemische Cocktail hält im Durchschnitt 12 bis 18 Monate an. Danach wechselt die Beziehung in eine Bindungsphase, angetrieben von Oxytocin und Vasopressin. Das sind ruhigere Hormone, die ein Gefühl von Verbundenheit und Sicherheit erzeugen. Weniger aufregend als die Dopamin-Explosion des Verliebtseins, aber stabiler und tiefer.

Anziehung versus Kompatibilität

Hier liegt der Kern des Problems für Dater. Anfängliche Anziehung und langfristige Kompatibilität werden von grundlegend unterschiedlichen Faktoren bestimmt. Du kannst intensiv von jemandem angezogen sein, der schlecht zu dir passt (weil der Halo-Effekt dein Urteilsvermögen trübt oder weil unsichere Bindungsmuster die Intensität verstärken). Und du kannst kaum von jemandem angezogen sein, der perfekt zu dir passt (weil es keinen Dopamin-Schub gibt, wenn es keine Unsicherheit gibt).

Forschung von Eastwick und Finkel (2008), veröffentlicht im Journal of Personality and Social Psychology, bestätigt diese Diskrepanz. In Speed-Dating-Experimenten sagten die Präferenzen, die Menschen im Voraus angaben (Ich will jemanden, der lustig ist, ich will jemanden, der ehrgeizig ist), kaum voraus, von wem sie tatsächlich angezogen waren. Das bewusste Bild, das du von deinem idealen Partner hast, stimmt selten damit überein, bei wem dein Herz schneller schlägt.

Das ist nicht tragisch. Es ist Information. Es bedeutet, dass du das Gefühl nicht ignorieren solltest, aber du solltest ihm auch nicht blind folgen. Anziehung ist ein Ausgangspunkt, kein Ziel.

Darüber hinaus ist Anziehung nicht statisch. Was du attraktiv findest, verändert sich durch Erfahrungen, durch Wachstum, durch das Verstehen deiner eigenen Muster. Jemand, der mit zwanzig nur von Aussehen angezogen wurde, kann mit dreißig viel empfänglicher für emotionale Wärme und Humor sein. Diese Verschiebung ist ein Zeichen von Wachstum, nicht von sinkenden Ansprüchen. Es bedeutet, dass dein Gehirn gelernt hat, über die Oberfläche hinauszuschauen.

Das macht es umso wichtiger, nicht zu schnell zu urteilen. Gib einem Match die Chance, attraktiver zu werden, je besser du ihn oder sie kennenlernst.

Was das fürs Dating bedeutet

Zajoncs Mere-Exposure-Effekt (1968) bietet eine differenziertere Sicht auf Anziehung. Vertrautheit steigert die Attraktivität. Je öfter du jemanden siehst oder mit jemandem sprichst, desto attraktiver findest du diese Person — selbst wenn die anfängliche Anziehung kaum oder gar nicht vorhanden war. Viele glückliche Paare bestätigen dies: Sie fanden ihren Partner bei der ersten Begegnung nicht unbedingt attraktiv, aber als sie sich besser kennenlernten, wuchs die Anziehung.

Das ist das Prinzip hinter Onedaytes Progressive Reveal. Indem du zuerst die Persönlichkeit durch Gespräche kennenlernst und erst dann die Fotos enthüllt werden, bekommt der Mere-Exposure-Effekt die Chance zu wirken. Das Ergebnis ist, dass Anziehung nicht allein auf dem visuellen Eindruck basiert, sondern durch emotionale Verbindung bereichert wird.

"The message of EFT is simple: Forget about learning to argue better. Instead, recognize that you are deeply attached to your partner and that you need emotional connection."

— Sue Johnson, Hold Me Tight, 2008

Quellen: Fisher (2004), Bartels & Zeki (2000)

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